Dienstag, 4. September 2007

Grönland, Tag 3 (I) - Von Tasiilaq nach Tiniteqilaaq

Eigentlich gehört das folgende Bild noch zu Tag 2, da es abends aufgenommen wurde, aber die Aussicht beim Zähneputzen war morgens noch dieselbe (mehr oder weniger), deshalb wollte ich das hier nachliefern.


Aussicht beim Zähneputzen

Da unser Boot erst mittags fahren soll, nutzen wir den Vormittag zu einer Einkaufstour durch Tasiilaq. Ich will Kartenmaterial aus dem Touriladen und eine Schirmmütze (ich hatte meine vergessen), wir brauchen Müllsäcke, und so Kram halt. Müllsäcke sind das geringste Problem, die hat schon der kleine Supermarkt an der Post. Im Touriladen finden sich auch die Karten, die ich haben wollte. Ansonsten verliebe ich mich in ein Seehundfelltop, das ich wohlweislich gar nicht erst anprobiere, aus Angst, es könnte mir doch passen. Dummerweise paßt mir der Preis nicht. Und eigentlich habe ich ja schon einen Schrank voll Klamotten.

Der Buchladen hat mal wieder zu, aber der hat ja ohnehin nur nachmittags auf und das auch nur, wann es ihm paßt. Der große Supermarkt ist richtig groß, und da gibt es so gut wie alles. Eine ganze Wand ist voll mit Gewehren, Munition und allem, was man so zur Jagd braucht. Oben gibt es schicke Klamotten und auch ein bißchen Tourikrimskrams. Ich entdecke eine Fleeceschirmmütze mit einem Eisbären, die wird gekauft.

Um viertel nach elf treffen wir uns an der alten Kirche mit Holger. Darin ist nämlich mittlerweile ein Museum untergebracht, und zwar ein sehr schönes, mit alten Kunst- und Gebrauchsgegenständen. Zum Museum gehört auch ein rekonstruiertes Erdhaus. Holger fragt nach dem Schlüssel, und wir gehen hinein. Der Eingang wäre normalerweise ein gutes Stück tiefer und auch länger und niedriger, weil der als Kältegraben fungiert hat, aber niedrig ist er auch so. Das Haus selbst besteht aus 4 Abschnitten, die auf einer Art durchgehender Pritsche liegen und mit Fellen voneinander abgeteilt sind, ein wenig freiem Raum in der Mitte und umlaufenden Bänken an der gegenüberliegenden Wand, in der auch zwei winzige Fenster sind. Die Wände bestehen aus Grassoden. Wir suchen uns alle einen Platz zum Hinsetzen und machen die Tür zu. Ziemlich finster da drin.

Holger erzählt uns, das ein solches Haus einen Winter lang Heim für 4 Familien war, also durchaus 25 Personen. Jede Familie würde einen dieser abgeteilten Abschnitte bewohnen, aber die sind noch nicht einmal so groß wie ein modernes Doppelbett. Ältere Kinder und Gäste würden auf den Bänken unter den Fenstern schlafen. Da so etwas wie Privatsphäre unter diesen Umständen praktisch unmöglich war, hätte es eine Sitte des gegenseitigen Ignorierens gegeben - was die einen da in ihrer Ecke machen, geht die anderen nichts an und umgekehrt, und es wird einfach drüber weggesehen.

Essen wurde über einer Specksteinlampe zubereitet, die mit Tran gefüllt wurde und in der Mitte des Raumes war.

Ich schaue meine 7 Mitreisenden an und überlege, daß ich vermutlich schon mit diesen insgesamt 8 Personen nach einer Woche in diesem Raum einen Höhlenkoller kriegen würde. Zumal im Winter ja noch dazukam, daß man wirklich eingeschneit war und nicht einmal rauskonnte, um auf die Toilette zu gehen.
Solche Erdhäuser waren aber bis weit ins letzte Jahrhundert noch in "Betrieb". Fotos mache ich keine, weil ohnehin diese Enge nicht aufs Bild passen würde.

Nach dieser eindrucksvollen Demonstration des früheren Lebens in Ostgrönland machen wir uns auf den Rückweg zu unserer modernen Ausrüstung und verladen ins Magazin, was wir fürs Trekking nicht brauchen (unter anderem unser eigenes Zelt, was wir in Island brauchen werden, aber hier nicht), und der Rest kommt aufs Boot. Essen für die gesamte Tour, Zelte, Küchenzelt, Gasflaschen, Kocher, Töpfe, das persönliche Gepäck von jedem, wir 8 Leute und der Bootsfahrer. Das Boot ist vollgestopft.

Auf dem Weg aus der Bucht von Tasiilaq hinaus sehen wir von weitem ein Kriegsschiff, was eine gewisse Endzeitatmosphäre verbreitet.


Endzeitstimmung


Gepäck und Proviant für die gesamte Trekkingtour

Wir überholen bald einen Konvoi von zwei Booten - die Kajakgruppe, die ebenfalls im Basiscamp war und auch heute aufbricht.


Die Kajakfahrer brechen auch auf

Da das Wetter und die Eisverhältnisse es zuließen, würden wir nicht wie geplant 'innenrum' nach Tiniteqilaaq fahren, durch die kleinen Fjorde durch, sondern 'außenrum', durch den großen Sermilik-Eisfjord.
Ich habe jetzt mehrmals versucht, Google Maps dazu zu überreden, eigene Karten auch tatsächlich so zu erstellen, wie es sollte, bin aber bisher gescheitert, sonst könnte ich das auf einer eigens erstellten Karte zeigen.

Nichtsdestotrotz ist Google nützlich: Auf dieser kleinen Karte ist auch alles Wichtige zu sehen.
Tasiilaq ist hier noch als Ammassalik bezeichnet.

Wir fahren also Richtung Sermilik-Fjord, und je mehr wir aus der Bucht von Tasiilaq herauskommen, desto mehr Eisberge gibt es wieder zu sehen und zu fotografieren.


Eisberg. Mal wieder.

Je weiter wir Richtung Sermilik-Fjord kommen, desto spektakulärer werden sie.


Noch ein Eisberg von nahem...


... und von weitem.

So langsam gehen mir die Bildunterschriften für Eisberge aus.


Schöner Eisberg.


Dieser Eisberg hatte einen guten Architekten.

Das Fotografieren wird dadurch etwas erschwert, daß unser Bootsfahrer ziemlich durch die Gegend brettert. Er scheint auch genau zu wissen, wie weit er nun an die Eisberge heranfahren kann... jedenfalls kommen wir einigen doch sehr nahe.


Wir fahren dicht an den Eisbergen vorbei


Noch mehr Eisberge.


Hatte ich schon Eisberge erwähnt?

Bei diesem Eisberg-Ensemble war ich nicht die einzige, die eine gewisse Assoziation mit den Argonath im Kopf hatte ;).


Eis und Eisberge

Es gibt aber auch Eisberge, wo ich mich wirklich frage, wieso zum Geier die nicht einfach auseinanderfallen.


Streifenwolke und architektonisch fragwürdiger Eisberg


Wie, bitte, entsteht SO ein Eis... dings?

Das Eisbergspektakel geht munter weiter, je weiter wir den Sermilik-Fjord hinauffahren.


Noch ein Eisberg mit Torbogen


Großer, glatter, weißer Eisberg


Seltsamer Eisberg


Bläuliche Eisberge


Noch mehr blaue Eisberge

Nach einer Weile können wir auf der linken Fjordseite hinter den Bergen das grönländische Inlandeis erkennen.


Erster Blick aufs Inlandeis


Der ganze Horizont ist Inlandeis


Gletscherzunge vom Inlandeis herunter

Mit dem Wind und allem ist es relativ kalt auf dem Boot, zumal wir uns ja nicht sonderlich bewegen können. Ich bin froh über die neu gekaufte Schirmmütze, die ich kurzerhand mit einem Buff auf meinem Kopf befestigt habe (sonst wäre sie bei dem Fahrtwind schon längst im Wasser gelandet...). So habe ich auch ohne Kapuze etwas Warmes um die Ohren und auf dem Kopf, was mich aber nicht am Fotografieren hindert. Kalte Finger habe ich, aber daran bin ich wohl selbst schuld. Mit Handschuhen kann ich aber keine Eisberge fotografieren.


Es ist kalt auf dem Boot.


Hier sind ja auch überall Eisberge.


Ein weiterer blauer Eisberg


Eiswand

Nach mehreren Stunden Fahrt erreichen wir langsam unser Ziel.


Wir nähern uns dem Ostufer des Sermilik-Fjords

Mit dem Boot 'parken' wir etwas außerhalb des Dorfes Tiniteqilaaq. Hier wollen wir für die nächste Nacht unsere Zelte aufschlagen.


Tiniteqilaaq von weitem

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