Der Name 'Robert Peroni' tauchte das erste Mal in den Mails unseres Reiseveranstalters auf, als Kontaktmensch in der Agentur auf Grönland. Parallel stöberte ich aber auch im Internet etwas herum auf der Suche nach lesenswerter Reiseliteratur und aus einfacher Neugier, und irgendwo stand da, daß in den 80er Jahren einmal drei Südtiroler Grönland zu Fuß durchquert hatten. Südtiroler, hm. Der Name würde passen. Ich jagte ihn also einmal durch Amazon und stellte fest, daß es tatsächlich sogar mindestens zwei passende Bücher gibt, nämlich "Der weiße Horizont. Drei Männer durchqueren Gröndlands unerforschte Eiswüste", in dem es offenbar genau um diese Expedition ging, und "Die magische Grenze. Expedition in Grönlands ewige Nacht". Bei beiden stand Robert Peroni als Autor dabei, und die Wahrscheinlichkeit, daß es da zwei mit dem gleichen Namen gibt, die ist wohl gleich Null, das mußte also genau dieser sein. Eine Anfrage beim Reiseveranstalter bestätigte das, und ich bekam gleich noch den Link zu einem interessanten und lesenswerten Interview geschickt:
Interview mit Robert Peroni bei Südtirol Online
Das "Rote Haus" in Tasiilaq wird zwar praktisch überall erwähnt, wenn es um Touren in Ostgrönland geht, aber was es damit auf sich hat, und wer es aufgebaut hat, das habe ich dann erst in diesem Interview erfahren:
STOL: Zurück zu Ihrem Haus: Was ist dort passiert?
Peroni: Ganz einfach: Wer ein Problem hatte, egal ob mit seinem Boot, oder mit der Familie, konnte zu mir kommen, wo ich ihn für einige Tage aufgenommen habe. Mit der Zeit kamen immer häufiger junge Grönländer, die meist Probleme mit dem Alkohol und Suizidgedanken hatten. Aus dem Haus ist ein kleines Hotel mit 20 Betten geworden, da mittlerweile Touristen nach Grönland kommen. Dadurch kann ich einigen dieser Menschen Arbeit geben und sie resozialisieren. Viele Grönländer müssen lernen, „trocken“ zu werden. Sie können nach der Zeit im Hotel mit einem Startgeld in ihr Dorf zurückkehren.
Aha. Nach dem Interview zu schließen, mußte dieser Robert Peroni also zum einen ein sehr interessanter Mensch sein, zum anderen ein Mensch mit Sinn für sinnvollen Tourismus.
Das Rote Haus und die dazugehörige Agentur TUNING haben auch eine eigene Webseite:
http://www.east-greenland.com/
Leider ist diese jedoch reichlich unübersichtlich, so daß ich hier noch einmal die Philosophie des Hauses zitiere (der Text liegt auf der Seite gut versteckt bei "Über uns" und "mehr"):
Tuning - das steht fuer Tunu (= Ostgroenland) Incoming Agency Greenland ApS.
Der Name ist Konzept: Wir fühlen uns unseren Gästen gegenüber genauso verpflichtet wie der einheimischen Bevölkerung an unserem Firmensitz in Tasiilaq/Ostgrönland, ihrer Kultur und der Umwelt, und unser Tun soll zum Wohle beider Seiten sein.
Wir - das ist ein Netzwerk von Profis:
- Dreh- und Angelpunkt sind Robert Peroni und Tobias Ignatiussen. Der Suedtiroler Robert Peroni lebt seit ueber 25 Jahren in Ostgroenland und ist der Fachmann fuer Groenland-Expeditionen. Tobias Ignatiussen ist Ostgroenlaender, der beste Jaeger und die Leitfigur des Distrikts. Er kennt die oertlichen Gegebenheiten, Wetter-, Eis- und Schneeverhaeltnisse bestens.
- Unterstuetzt werden die beiden bei der Organisation und Durchfuehrung von Touren von anderen einheimischen Jaegern, Fischern und Hundeschlittenfuehrern, die viele Jahre Erfahrung im Tourismus haben.
- Im Hotel kuemmern sich, wie ueberall, eine Vielzahl fleissiger "guter Geister" um das Wohl des Gastes. Bei uns werden, wenn immer möglich, Einheimische beschaeftigt, vor allem Jugendliche, die in der strukturschwachen Gegend Ostgroenlands nur schwer eine Arbeitsstelle finden.
- Und schliesslich koennen Sie sich mit allen Fragen auch an Inge Weber in unserem Buero in Deutschland wenden.
Die wichtigsten Ziele, die hinter allem unserem Tun stehen, sind:
- Wir wollen eine ganz besondere Qualitaet im Tourismus schaffen - Abenteuer und Erlebnis fuer unsere Gaeste und uns Einheimische.
- Wir wollen sozial- und umweltvertraeglich arbeiten; das heisst Arbeitsplaetze fuer die einheimische Bevoelkerung schaffen, die groenlaendische Identitaet bewahren und den Tourismus an die oertlichen Gegebenheiten anpassen.
- Trotz zehnjaehriger Erfahrung steht Tuning in vieler Hinsicht am Anfang seiner Entwicklung. Viele Probleme gilt es noch zu loesen, so z.B. die Abfallentsorgung und die Schaffung von Arbeitsplaetzen waehrend der Nebensaison. Wir verstehen uns als ein flexibles System und sind daher fuer Anregungen und Kritik offen. Wir freuen uns ueber Ihren Besuch.
Ja, das klingt genau so, wie ich mir sinnvollen Tourismus vorstelle. Gerade mit meiner langen Erfahrung als "Touri" in allen möglichen Ecken der Welt kenne ich ja auch ein paar Schattenseiten des Tourismus, und versuche sie zu vermeiden.
Etwas mehr Internetsuche führt noch zu weiteren Links über Mensch und Projekt:
Weitsicht-Preis 2002 an Robert Peroni verliehen
Artikel über die Grönland-Durchquerung 1983 bei Südtirol Online
Über das Projekt "The Red House"
Auch bei speziellen Trekkingnahrungsmitteln taucht der Name Peronin auf
Weitere Texte finden sich als pdf auf der Pressemeldungsseite von east-greenland.com.
Robert Peroni und das Rote Haus sind also schon eine Institution in Ostgrönland. Holger meint, trotzdem und trotz seiner relativen Berühmtheit durch diverse Expeditionen sei der "Robert" ein ganz normaler Mensch, mit dem man sich gut unterhalten könnte und... naja, wir sollten ihn halt selbst erleben. Indirekt hatten wir das ja schon, denn die roten Boote, mit denen wir durch die Gegend gefahren werden, gehören zum Roten Haus, genau wie das Basiscamp. Robert organisiert dieses, jenes und so gut wie alles - der Haken dieser Angelegenheit ist, daß ohne ihn in der Gegend vermutlich erst mal nichts mehr ginge, zumindest bekam man etwas den Eindruck.
Nach dem Essen kam er tatsächlich zu uns ins Küchenzelt und erzählte noch so ein bißchen, über sich und sein Projekt und die Gegend und und - tja, was soll ich sagen. Ja, er ist kein 08/15-Mensch. Ja, er hat eine Menge zu erzählen und man hört ihm auch gern zu. Und ja, ich war beeindruckt.
Leider ging es ihm gesundheitlich nicht so gut, weshalb er dann bald wieder zum Roten Haus zurückfuhr, aber warum dieser Mensch mehr oder weniger alleine ein solches Projekt aufbauen und am Laufen halten konnte... ja nee is klar.
Deswegen habe ich auch die Links herausgesucht, weil ich nicht das Gefühl habe, ich könnte mich in dieser Hinsicht adäquat ausdrücken. Sollen die Texte und Links für sich selbst sprechen.
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