Donnerstag, 23. August 2007

Grönland, Tag 2 (III) - Tasiilaq


Tasiilaq, von See aus

Wir nähern uns Tasiilaq mit dem Boot, und zielstrebig steuert unser Bootsfahrer auf ein Stück Land zu, an dem eigentlich nichts zum Anlegen da ist, nur Felsen. Aber offenbar weiß er, was er da macht, nämlich das Boot einfach so bei den Felsen unterbringen, daß man eben herausklettern kann. Was soll man auch sonst machen, wenn der Hafen nun mal nicht da ist, wo man ihn braucht. Es folgt also die umgekehrte Prozedur zum Einsteigen, nämlich immer noch in den $&% Schwimmwesten auch wieder vom Boot an Land zu kraxeln.


Alles raus aus dem Boot

Natürlich muß das Gepäck auch noch wieder raus aus dem Boot.


Gepäck ausladen

Da die letzte Gruppe die Zelte für uns aufgebaut gelassen hat, können wir direkt 'einziehen' - also, einen Hügel hinaufklettern, und, in meinem Fall, erst einmal das Gepäck vor dem Zelt abwerfen und Fotos in die Gegend machen.


Blick vom Zeltplatz über die Bucht

Tasiilaq zählt mit seinen etwa 1300 Einwohnern wohl als 'Städtchen'. Immerhin ist es die Hauptstadt von Ostgrönland. Aber da ich Reykjavík, das immerhin 60.000 Einwohner hat (doppelt so viele, wenn man die Nachbargemeinden mitzählt), schon eigentlich nicht als 'Stadt' bezeichnen mag, will mir das bei Tasiilaq erst recht nicht passen. Ein Dorf ist es aber nun auch nicht.


Blick Richtung Ortsmitte

Da wir jetzt den Fahrtwind vom Boot nicht mehr um uns haben, fallen auch gleich unbeliebte Einwohner Grönlands über uns her: Mücken, Mücken, und erwähnte ich schon Mücken? Stechmücken, auch noch. Ich mag mein Moskitonetz noch nicht anziehen und verlasse mich erst einmal auf meinen eingebauten Pferdeschwanz als Mückenwedel. Es gibt Tiere, die einfach nur nerven!


Kosh und unser Zelt

Auf der anderen Seite des Zeltplatzhügels ist der Heliport, auf dem tagsüber auch viel Betrieb ist.


Der Heliport

Nachdem alle ihren Kram ins Zelt verstaut haben, gibt es erst mal Tee/Kaffee im Küchenzelt.


Versammlung im Küchenzelt

Das Küchenzelt, was wir fürs Trekking auch mitnehmen werden, ist ein typisches Alex-Zelt. Ich fühle mich ans Kinderzeltlager der katholischen Kirche erinnert. ;)


Küchenzelt

Wir wollen vor dem Abendessen noch einen Spaziergang in den Ort machen. Auf dem Weg dahin kommen wir an typischen grönländischen Schlittenhunden vorbei.


Schlittenhunde an der Straße

Ein Schlittenhundegespann besteht, wenn ich mich richtig erinnere, normalerweise aus 15 Tieren.


Mehr Schlittenhunde

Diese Schlittenhunde sind keine Huskies, sondern Polarhunde. Jetzt im Sommer, wo sie nichts zu arbeiten haben, liegen sie an langen Ketten in der Gegend herum, langweilen sich und betrachten Touristen gern als Unterhaltung.
Allerdings sollte man ihnen nicht allzu nahe kommen, da sie nicht wirklich 'zahm' sind und durchaus recht aggressiv. Obendrein bekommen sie im Sommer nicht viel zu fressen. Ich habe mich von diesen pelzigen Tierchen jedenfalls respektvoll ferngehalten.


Polarhund


Pelzig...


... aber nicht zum Anfassen

In der Gegend stehen auch noch die Reste eines alten Erdhauses, in dem die Grönländer früher den Winter verbracht haben. Keine wirklich gemütliche Angelegenheit, aber dazu später mehr.


Ein altes Erdhaus

Ich vermute mal, daß der in der Nähe der Hunde herumstehende Schlitten der ist, der zu dem Gespann normalerweise gehört. Das Gestell ist zum Trocknen von Fischen da, im Moment aber leer.


Panorama mit Schlitten

Auf der 'Hundewiese' ist auch ein kleiner Bach, an dem eine Menge Wollgras wächst, das ich als Wollgras-Fan natürlich fotografieren muß.


Wollgras

Der Hafen von Tasiilaq, in dem auch die Versorgungsschiffe aus Dänemark anlegen:


Der Hafen von Tasiilaq

Sogar Eisberge gibt es. Diese Bucht hat auch einen Namen, nämlich ebenfalls Tasiilaq, was so viel heißt wie 'stilles Wasser' (laut Holger).
Der dänische Name hat damit gar nichts zu tun, da heißt dieses Gewässer Kong Oscars Havn (oder Kong Oskars Havn, je nachdem, in welche Karte man schaut.).


Eisberg in der Bucht von Tasiilaq

Das Tal, in dem der Friedhof von Tasiilaq liegt, heißt 'Tal der Blumen', weil da sehr viele von ihnen wachsen. Vorne das rötliche Haus ist ein Waschhaus mit öffentlichen Duschen und Waschmaschinen... es wird von Einheimischen benutzt, aber die Duschen sind auch bei den Touris sehr beliebt. Auf dem Zeltplatz gibt es nämlich nur Plumpsklos und einen Wassertank draußen, sonst nichts.
Das Haus dahinter ist dann die Disco des Ortes.


Blick Richtung Waschhaus und Friedhof

Tasiilaq hieß diese Buch übrigens schon vor dem Ort, denn der Ort wurde erst 1894 von dänischen Kaufleuten und Missionaren gegründet. Um die Verwirrung zu vergrößern, steht auf manchen Karten auch noch Ammassalik oder Angmagssalik, weil der Ort eine Zeitlang diesen Namen trug. Mittlerweile hat man sich geeinigt, daß der Distrikt bzw. die Kommune nach wie vor Ammassalik heißt, der Ort aber Tasiilaq.
Daß es im Ostgrönländischen keine verbindliche Schriftsprache gibt, sorgt dann dafür, daß es alles auch noch in verschiedenen Schreibweisen gibt.


Häuser im älteren Teil von Tasiilaq

Außer diversen Tante-Emma-Läden gibt es zwei Supermärkte und eine Post. Die Supermärkte sind im Prinzip gut sortiert (solange die Versorgungsschiffe fahren... im Winter sieht das wohl anders aus!), aber die Preise... die Asia-Cup-Instantnudeln, die hier vielleicht 65 Cent kosten, die kosten da umgerechnet 2,20 Euro. Und diese Preise sind schon künstlich niedrig gehalten. Autsch.


Der zentrale Platz mit Post und Supermarkt


Noch ein Platz

Im neueren Teil von Tasiilaq ist der größere der beiden Supermärkte und auch ein Sportzentrum.


Der neuere Teil von Tasiilaq

Der Buchladen ist eine Institution für sich; er dient sowohl als Buchladen wie auch als Eisdiele und noch so ein paar Sachen. Allerdings hat er sehr willkürliche Öffnungszeiten - normalerweise nachmittags, aber manchmal auch nicht. Als wir dieses erste Mal vorbeikamen, war es schon Abend, und er hatte so oder so geschlossen.


Der Buchladen

Unten am Meer entstehen gerade neue Häuser, aber diese sind laut Holger eher etwas für Leute mit Geld. Von denen gibt es in Tasiilaq nicht so viele.


Neubauten

Immer mal wieder liegen Hunde herum und betrachten uns aufmerksam.


Hund paßt auf

Wir folgen einer Straße, vor der eine Absperrung und ein Hinweisschild steht, aus dessen grönländischer Aufschrift man ohnehin nicht schlau wird und dessen dänische Aufschrift sagt, daß man da nicht durchfahren kann. Jetzt wissen wir auch, warum. Aber wir sind ja eine Trekkinggruppe, nicht wahr, so einen Graben überspringen müssen wir schließlich können.


Straßen-Baustelle

Überhaupt, Straße. In Tasiilaq gibt es vielleicht insgesamt 2 km asphaltierte Straße und noch etwas mehr unasphaltierte Straße, aber keine Straße, die irgendwohin aus dem Ort hinausführt. Trotzdem gibt es Autos und Taxis. Vor allem Taxis. Taxifahrten durch den Ort zählen durchaus als Freizeitbeschäftigung vom Typ "sehen und gesehen werden".


Straße in Tasiilaq

Für jede Ortschaft gibt es einen Hauptjäger, der zuerst benachrichtigt wird, wenn z.B. ein Eisbär in der Gegend gesichtet wurde und geschossen werden muß. Der Hauptjäger von Tasiilaq heißt Tobias, und aus unerfindlichen Gründen hat er ein rosafarbenes Haus.


Das Haus des Hauptjägers

Mittlerweile sind wir wieder auf dem Rückweg, weil wir diesmal das Abendessen geliefert bekommen und pünktlich da sein müssen, und von der Straße aus sieht man den Zeltplatz von oben. Die Küchenzelte kann man gut erkennen - es sind mehrere, da der Zeltplatz Basiscamp für mehrere Gruppen ist. Die anderen Zelte stehen gut getarnt obendrüber auf dem Hügel.


Blick auf den Zeltplatz

Mittlerweile hat sich einer der Hunde mitten auf die Straße gelegt. Allerdings werden wir genau belauscht, ob wir auch nichts Falsches tun.


Nickerchen


Ich bewache hier die Straße


Canis dormiens numquam titillandus

Die Mücken nerven und nerven und nerven. Sie stechen auch. Nur durch Stoffe wie z.B. Trekkingjacken und -hosen können sie nicht stechen. Kosh hüllt sich also vernünftigerweise in so viel davon ein wie möglich und erinnert mich doch etwas an den Imperator *g*.


Imperator Kosh

Die Sonne geht gegen 22:30 unter, aber richtig dunkel wird es nicht. Zwar sind wir noch unterhalb des Polarkreises, aber nicht viel.


Abendstimmung über der Bucht von Tasiilaq

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

>Der Hauptjäger von Tasiilaq heißt Tobias, und aus unerfindlichen Gründen hat er ein rosafarbenes Haus.

Bwahahaha!


Sehr schön, weiter so. Liest sich toll, nächstes Mal überlasse ich dir das Reiseblog. :nick: