Der Meisterdieb schrieb da einen so schönen Kommentar:
Ach ja, die Freuden der Exil-Deutschen in Österreich. Um das ganze nochmal ein bisschen auszuweiten, kannst du ja schonmal folgende Worte auswendig lernen:
Paradeiser
Erdäpfeln
Weckerl
Kohlsprossen
Karfiol
weißer/roter Spritzer
Obi/Cappy g'spritzt
Vogerlsalat
Wenn du irgendwann einmal auf Anhieb weißt, was das alles ist, bist du erfolgreich integriert *g*
Aaaalso, Paradeiser sind Tomaten. Das weiß ich aber nur, weil's mal irgendwo stand. Erdäpfeln sind Kartoffeln - die heißen in einigen Gegenden Deutschlands IMHO auch so. (In anderen Gegenden heißen sie dafür Grumbeeren, was vermutlich wieder eine lokale Variante von 'Erdäpfel' bedeuten soll. DAS hat mir mein Vater mal im Rheinland übersetzt, als ich an der Speisekarte gescheitert bin.)
Weckerl. Hm. In Franken würde ich ja auf 'Brötchen' tippen, aber die heißen hier ja schon 'Semmel'. Daher würde ich einfach mal auf was anderes tippen, was es auch beim Bäcker gibt - wenn das nicht gerade die Verkleinerungsform für 'Wecker' sein soll. ;-)
Kohlsprossen - äh, nie gehört. Mit einem Blick aufs Englische könnte ich jetzt raten, daß das Rosenkohl sein soll, der hat ja allerlei komische Namen, aber ohne Nachsehen... keine Ahnung.
Karfiol ist Blumenkohl. Ich meine mich zu erinnern, daß der in Bayern auch so heißt. Oder sonst irgendwo, irgendwoher kenn ich das jedenfalls.
Weißer/roter Spritzer hmmm... das 'weiß' und 'rot' begründet meinen Verdacht, daß ich das aus Wien unter dem Namen 'Sturm' kennen könnte und die Hessen das Federweißer nennen. Könnte natürlich auch eine einfache Weinschorle sein... auf jeden Fall hat's was mit Trauben zu tun. Hoffe ich.
Obi/Cappy g'spritzt - Cappy kenn ich nur als Orangensaftmarke (oder war's Hundefutter?), aber Obi??? Entweder ein Kimonogürtel oder ein halber Jedi, aber so recht will das beides nicht passen. Nee, passe. Keine Ahnung.
Vogerlsalat - da hab ich Glück, daß bei meinen Eltern immer die Fernsehzeitung rumliegt, wo eine österreichische Köchin eine Rezeptkolumne hat (in Landessprache, aber mit Übersetzungen für die Preußen): Feldsalat. Irgendwo heißt das Grünzeug auch Häuptlsalat, glaube ich.
Nee, so ganz reicht's nicht... wie gut, daß es heutzutage Supermärkte gibt, wo man sich seine Sachen einfach selbst wegnehmen kann und auf den verpackten Sachen bunte Bildchen drauf sind; ich glaube, beim Tante-Emma-Laden müßte ich mich auf "point and grunt" beschränken.
Es ist schon nicht so, daß Österreicher einfach nur Leute wären, die komisch Deutsch sprechen (das wären dann die Bayern *g* *hust*) - nein, sie sprechen eben Österreichisch. Ich finde die Unterschiede auffälliger als zwischen amerikanischem und britischem Englisch, muß ich sagen. Da gibt's halt so ein paar Vokabeln, die unterschiedlich sind (trunk/boot, jumper/sweater, trainers/sneakers...) und die unterschiedlichen Schreibweisen (favor/favour) - aber das war's dann erst mal. Zumindest den Effekt, beim Bäcker zu stehen und nicht zu wissen, von was der Mensch hinter der Theke da eigentlich redet, den hatte ich bisher weder in England noch in den USA. (Allerdings einmal in Australien, als ich jemanden nach dem Weg gefragt habe.)
Im Laufe der letzten Tage sind mir auch wieder einige neue Vokabeln begegnet. Kariert und liniert sind gleich, aber blanko heißt hier 'glatt'. O-kay... man sollte wohl davon ausgehen, daß auch die anderen Papiere glatt sind, aber nur das 'Glatte' hat weder Linien noch Karos. So weit, so gut.
Später beim Mehl kam mir aber dafür das 'glatt' wieder unter - da gibt's nämlich zwei Sorten, 'glatt' und 'griffig'. Äh, bö?
Meine anfängliche Hoffnung, das eine könnte normales Weizenmehl sein und das andere Vollkornmehl, erwies sich als falsch. Das war's nicht. Mit der deutschen Typenbezeichnung 405 kam ich auch nicht weiter, auf beiden stand W480 drauf. Mami?
Ratlos drehte ich die Mehltüte in der Hand herum - und sie half mir selbst weiter, auf der Rückseite war nämlich eine Tabelle abgedruckt, ob man nun glattes oder griffiges Mehl braucht für die Dinge, die man machen will. Heidenei, jetzt muß man schon wissen, wofür man es brauchen will, bevor man Mehl kaufen kann! Anhand der Liste fand ich dann heraus, daß ich das glatte wollte. Aha.
Überhaupt, Tüte. An das 'Sackerl' hab ich mich ja nun halbwegs gewöhnt (obwohl ich immer noch einen gewissen Impuls unterdrücken muß, die Frage: "darf's a Sackerl sein?" zu beantworten mit "nee danke, aber 'ne Tüte nehm ich gerne"), aber bei der "Äpfel 500 g Tasse" mußte ich dann doch zweimal hinschauen. Bitte was? Erstens passen in eine gewöhnliche Tasse vielleicht mal 150 g, und zweitens, warum will man Äpfel in Tassen verkaufen? Drittens sah ich auch meilenweit keine einzige Tasse, dafür eine Menge Schalen. So war das also. Naja, die 'Tasse' hieß hier ja auch 'Häferl', also warum sollte die Schale dann nicht Tasse heißen. Damit ergab auch das Sonderangebot beim Metzger, die "Grilltasse", mehr Sinn als vorher - eine Grillschale eben, eine Plastikschale mit fleischigen Dingen zum Grillen drin.
Wenn man berücksichtigt, daß "Stuhl" auch nicht Stuhl, sondern Sessel heißt, wundert's mich eigentlich, daß "Tisch" offenbar Tisch heißt.
Mich erinnert das alles immer wieder an eine Kurzgeschichte von Peter Bichsel, "Ein Tisch ist ein Tisch", in der ein alter Mann plötzlich auf die Idee kommt, alles umzubenennen. Das sieht dann so aus:
[...]
Dem Bett sagte er Bild.
Dem Tisch sagte er Teppich.
Dem Stuhl sagte er Wecker.
Der Zeitung sagte er Bett.
Dem Spiegel sagte er Stuhl.
Dem Wecker sagte er Fotoalbum.
Dem Schrank sagte er Zeitung.
Dem Teppich sagte er Schrank.
Dem Bild sagte er Tisch.
Und dem Fotoalbum sagte er Spiegel.
Also:
Am Morgen blieb der alte Mann lange im Bild liegen, um neun läutete das Fotoalbum, der Mann stand auf und stellte sich auf den Schrank, damit er nicht an die Füße fror, dann nahm er seine Kleider aus der Zeitung, zog sich an, schaute in den Stuhl an der Wand, setzte sich dann auf den Wecker an den Teppich, und blätterte den Spiegel durch, bis er den Tisch seiner Mutter fand.[...]
Wer die ganze Geschichte lesen mag, möge Google anwerfen... es ist allerdings eigentlich keine lustige Geschichte.
Als außerordentlich nützlich hat sich gerade eben auch die Wikipedia erwiesen, die immerhin Licht in den Mehltypenbezeichnungsdschungel bringen konnte, und nicht nur das, sondern da gibt's auch eine seeeehr sinnvolle Übersicht, wie das Küchenzeugs nun in Nord-, Mittel- und Süddeutschland, in Österreich und in der Schweiz heißt. In Kombination mit der Suchfunktion ist das Ganze überaus praktisch. Dummerweise kann ich schlecht den Laptop mit zum Einkaufen nehmen, wie sieht das denn aus.
Ich könnte allenfalls die Seite ausdrucken, aber erstens trage ich dann einen Papierstapel mit mir herum und zweitens ist die Liste ja nicht nach 'Fremdsprachen' geordnet, in Papierform also Unfug. Gah.
Aber wo ich schon mal da bin, finde ich vielleicht auch endlich heraus, was ein Kleiner Brauner ist, außer einem Espresso mit Milch (so kommt er mir zumindest vor). Anderenorts würde ich es ja für ein Pferd halten, aber hierzulande ist es Kaffee.
*klick*
Joh, die Suche kommt sogar noch auf einige Ideen mehr zum Thema.
Deine Suchanfrage: „kleiner Brauner“.
Ergebnisse 1–20 von 4277
Genetik der Pferdefarben
Relevanz: 100,0 % - -
Liste der Kaffeespezialitäten
Relevanz: 99,1 % - -
Wiener Kaffeehaus
Relevanz: 96,7 % - -
Bläulinge
Relevanz: 94,4 % - -
Fellfarben der Pferde
Relevanz: 94,2 % - -
Zucker
Relevanz: 93,0 % - -
Vollrohrzucker
Relevanz: 92,2 % - -
Brauner Waldvogel
Relevanz: 91,1 % - -
Babyn Jar
Relevanz: 90,6 % - -
Morgenammer
Relevanz: 90,4 % - -
Die Bronx-Katzen
Relevanz: 90,4 % - -
Old Shatterhand (Film)
Relevanz: 89,9 % - -
Tagesschau (ARD)
Relevanz: 89,8 % - -
Europäische Sumpfschildkröte
Relevanz: 88,4 % - -
Was die Pferdesachen in der Liste zu suchen haben, ist mir ja schon klar, aber die europäische Sumpfschildkröte überrascht mich doch etwas.
Bei den Kaffeespezialitäten werde ich fündig:
Kleiner Brauner – einfacher Espresso mit Milch oder Obers in kleiner Tasse. Das Obers (Schlagsahne) bzw. die Milch, um aus dem kleinen Schwarzen einen kleinen Braunen zu machen, sollte traditionell in einem winzigen Porzellankännchen, das an einen etwas größeren Fingerhut erinnert, extra am Tablett serviert werden, damit der Gast selbst das Mischungsverhältnis bestimmen kann.Ein großer Brauner ist die doppelte Menge.
Allerdings verrät mir die Seite mit den Kaffeespezialitäten auch nicht wirklich, was nun der Häferlkaffee ist.
Häferlkaffee – Kaffee im Häferl (und nicht in einer Tasse), Filterkaffee
Ja nee is klar. Häferl, Tasse, Schale, wat denn nu?
Wenn man doch wenigstens ein Wasser bestellen könnte, ohne auf Verständigungsschwierigkeiten zu stoßen... aber da kommt dann die Rückfrage "Leitung oder Soda?"
Vielleicht sollte ich mich an Asterix halten und nächstes Mal einen Becher Ziegenmilch bestellen. Ich will ja nicht wissen, was ich DANN gefragt werde. ;-)
P.S. Und wenn man daran denkt (was ich natürlich nicht getan habe), daß die Wikipedia Groß- und Kleinschreibung unterscheidet, dann liegt auf "Kleiner Brauner" mit großem K auch eine Direktweiterleitung zu "Wiener Kaffeehaus". Wo man dann ein leicht anderes Rezept für den Kleinen Braunen findet, nämlich mit Sahne und nicht mit Milch. Naja, wir sind hier ja auch nicht in Wien, aber ich kann so nicht!!
5 Kommentare:
Zum Thema Notebook mitschleppen: es gibt den Asus Eee PC. Nettes Spielzeug, klein und handlich, ideal auch zum Mitnehmen in den österreichischen Supermarkt geeignet.
@Asus Eee PC: und garantiert für'n Appel und'n Ei zu haben ;-). Wie war das mit den vielen verflixten Mittelalter-Onlineshops, die so viele schöne Dinge haben, hm?
Außerdem, wenn ich die Wikipedia mit in den Supermarkt nehmen könnte, hätte ich ja nichts mehr zu bloggen *g*.
Ich hab übrigens auf der betreffenden Seite auch mal nach dem Häuptlsalat gesucht, und siehe, es ist angeblich die österreichische Bezeichnung für Kopfsalat. Hätt ich mir eigentlich auch denken können... *g*.
Also du hast da ja schon ganz gut gemacht. Kohlsprossen sind tatsächlich Rosenkohl und der weiße/rote Spritzer ist ein Weiß- oder eben Rotweinschorle.
Das Weckerl ist fast alles was keine Semmel, Salzstangerl oder Kornspitz ist, es ist meistens aus Vollkorn, aber nicht unbedingt. Auch diese wie zu einem Zopf geflochtenen Mohndinger sind Mohnweckerl. War also auch richtig.
Cappy ist Orangensaft, richtig. Obi ist dasselbe für Äpfel also eine Apfelsaftmarke. Und bei dem g'spritzt schielt man wieder zum Spritzer und weiß dann, dass das einfach Orangen- bzw. Apfelsaft ist, der mit Mineral- oder Sodawasser verdünnt wurde.
Also bitte, war ja doch einiges richtig :)
Also du hast da ja schon ganz gut gemacht. Kohlsprossen sind tatsächlich Rosenkohl und der weiße/rote Spritzer ist ein Weiß- oder eben Rotweinschorle.
Yay! *freu*
Ja, mit dem Wort 'Schorle' bin ich neulich auch reingerasselt. *hust*
Das Weckerl ist fast alles was keine Semmel, Salzstangerl oder Kornspitz ist, es ist meistens aus Vollkorn, aber nicht unbedingt. Auch diese wie zu einem Zopf geflochtenen Mohndinger sind Mohnweckerl. War also auch richtig.
*eifrig notier*
Also weiße Brötchen sind Semmeln, und Vollkornbrötchen sind Weckerl (d.h. 'Vollkornsemmeln' gibt es nicht)? Wenn es nicht gerade Kornspitze/spitzen/... sind?
(Was ist denn eigentlich der Plural von 'Kornspitz'?)
Cappy ist Orangensaft, richtig. Obi ist dasselbe für Äpfel also eine Apfelsaftmarke. Und bei dem g'spritzt schielt man wieder zum Spritzer und weiß dann, dass das einfach Orangen- bzw. Apfelsaft ist, der mit Mineral- oder Sodawasser verdünnt wurde.
Also bitte, war ja doch einiges richtig :)
Naja, ich will mir ja auch Mühe geben... ist ja nicht so, daß ich partout den Preußen 'raushängen' lassen will. Wenn es nun Frankreich wäre oder Schweden, würde ich mit Deutsch auch nirgends landen können.
Und, wie gesagt, die Hessen haben ja auch ihre eigene Sprache, die Krebbel/Kreppel, Koldern (bzw. Koltern... aber das Hessische kennt eigentlich weder p noch t), Sauergespritzte, Süßgespritzte, Bembel und dergleichen kennt.
Vielen Dank schon mal an alle, die mir bei meinen Sprachproblemen so hilfreich zur Seite stehen (*auch zu Hoppi und El schiel*).
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