Heute war also der Tag des Lkws. :)
Er fing damit an, daß ich beim frühen Aufstehen beinahe auf die Nase geflogen wäre, weil ich nur auf den Matratzen geschlafen hatte und das nun ein gutes Stück niedriger war als das bereits abgebaute Bett. Verdammte Gewohnheit.
Erst sollten ja noch Dinge in Frankfurt eingeladen werden, so gegen 08:00 h, und dann wollten sie gegen 10:00 hier sein, hieß es. Ich mache mich also daran, die letzten Dinge abzubauen und so.
Um 08:25 klingelt das Telefon, mein Vater aus Frankfurt, sie seien vor einer Viertelstunde da weggefahren. Mit dem Zeug.
... WTF???
Na eigentlich habe ich ja nichts dagegen, wenn sie früher kommen als geplant, aber daß es so viel früher werden würde... nun gut. Ich danke meinem Vater für die Warnung, und kaum habe ich gerade noch etwas getan, macht es draußen Wrumm und der Lkw fährt vor.
Ja, äh, ok. Ich führe die 4 Packer in ein meiner Meinung nach vollgestelltes Zimmer mit Dingen zum Einladen und versuche, das Kistensystem zu erklären. Am wichtigsten sind diese Möbeldinge alle. Dann diese Kisten, und wenn dann noch Platz ist, dann die anderen Kisten, und so weiter.
Ich stoße auf Unverständnis. "Ja, und was noch?"
Äh. Mein Informationsstand ist noch der des Chefs, der stirnrunzelnd durch die Wohnung schritt und meinen Verdacht bestätigte, das würde nie alles auf einen Lkw passen.
Offenbar sehen diese Leute das anders.
Ich versuche also mental einen Gang zurückzuschalten und frage vorsichtig nach. Die Antwort ist, daß alles das, was ich gerade gezeigt habe, in diesem zerlegten Zustand gerade mal einen kleinen Bruchteil des vorhandenen Platzes einnehmen wird.
Und die Reifen? Und der Kühlschrank? Und die Waschmaschine? Und der Tisch? Und...?
Es bleibt dabei... es ist noch Platz wie Heu, und ich habe das dumpfe Gefühl, daß die Packer mich auslachen. Ich verfluche ihren Chef, der etwas von "Hmmmtja... nach Österreich... da geht's natürlich um jeden Kubikmeter... hmmmm" murmelte.
Es muß also mal schnell eine Planänderung her. Da ich nach all den pessimistischen Andeutungen nicht damit gerechnet hatte, daß überhaupt so viel mitkommt, trifft mich das etwas unvorbereitet, denn die anderen Dinge sind nicht verpackt - die wollte ich ja in Ruhe durchsehen, wenn die Packer erst weg sind. Da es im Moment aber so aussieht, als hätten die noch Platz wie Heu, wäre es ja dämlich, den Lkw halb leer fahren zu lassen.
Ich verspreche also, da nochmal was vorzubereiten, und die fangen schon mal an, den meiner Meinung nach abschreckenden Stapel für den Umzug vorzubereiten. Mit Tape werden die Bretter handlich zusammengebunden, und 3 Leute machen sich mit den Kisten zu schaffen. Sie verschwinden zum Zugucken. Die Kisten.
Äh, ja. O-kay. Ich räume also einige Bretter mehr ab und lege die Sitzkissen bereit, und noch so ein paar Dinge, die sich eben mal schnell einfach verpacken lassen. Ist ja kein Problem, das.
Beim Bett wollte ich gestern noch ein paar Schrauben rausdrehen, nur nicht mehr mitten in der Nacht den Akkuschrauber losdröhnen lassen. Da wollte ich grad noch...?
Nein, das sei gar nicht nötig, mir werden die Bretter so aus der Hand genommen und sind weg, bevor ich Quidditch sagen kann. Überhaupt sei ich viel zu gründlich gewesen mit dem Zerlegen. Ob ich mal was Unzerlegtes hätte, sie könnten sowas gerade besser zum Verpacken brauchen.
Was ist mit dem? Oder dem da?
Irgendwie entgleitet mir hier langsam die Kontrolle über die Situation, habe ich den Eindruck. Ich ändere meine Taktik noch einmal. Schrank nicht leerräumen, sondern Schrank einfach umkippen. Leer. Er verschwindet, kaum daß ich genickt habe.
Regalbrett nicht abräumen, sondern einmal mit dem Arm abfegen. Rums klong schepper. Ich kann die Sachen ja eh nirgends anders hintun als im Moment auf den Boden... denn das Zeug WILL ich wirklich noch nicht in Kisten haben, dunnerlattich, ich brauch auch noch was von dem Zeugs in Frankfurt, verfrakt!!
Als die Packer ankündigen, mal 10 Minuten Obstpause machen zu wollen und was zu trinken, bin ich erleichtert. Meinetwegen sollen die mal 20 Minuten Pause machen. Bei kurzer Inspektion sieht das vorher krass vollgestellte Zimmer krass leer aus. Ich nutze die 10 Minuten, um mich schnell einzuloggen und Kosh panische Nachrichten zu schicken: "Sie sind hier... und sie nehmen alles mit... und es ist viel zu wenig fertig und viel zu viel Platz da..."
Kaum habe ich Luft geholt und ein, zwei Kisten halbwegs sinnvoll zusammengeworfen, höre ich Schritte von 4 Leuten auf der Treppe. Aaargh! Sind die mit ihrer Pause auch schon wieder fertig. Ich bräuchte auch mal eine Pause, aber gegen diese 4 habe ich wohl keine Chance. Also vergessen wir die Pause und suchen hektisch nach irgendwas, was sich möglichst schnell in was Einpackbares verwandeln läßt und was ich hier nicht die nächsten Wochen noch brauche.
Eine kleine Moppe-Kommode, die eigentlich noch dableiben sollte, stelle ich kurz ab, weil ich woanders eine Schraube lösen will. Als ich mich umdrehe, ist das Moppe mit Tape versehen, und bevor ich den Mund aufmachen kann, ist es weg.
Ich mache den Mund wieder zu und beschließe die nächste Taktik-Änderung. Wenn ich irgendwas davon in Frankfurt dringend brauche, dann hat es jetzt halt Pech gehabt, dann hol ich's mir nächstes Mal von Graz eben wieder zurück.
Die Waschmaschine. Eben war sie noch da. Und der Kühlschrank. Eigentlich wollte ich noch die magnetischen Worte von der Vorderseite entfernen... aber "das brauchen Sie nicht, da machen wir Folie drum."
Leute!! Laßt mich doch wenigstens noch die zum Abtauen in die Badewanne gestellten Schubladen des Gefrierteils da wieder reintun, bevor ihr daraus ein Kunstwerk Marke Christo macht!!!
Irgendwie haben die nur geniale Sachen da. Diese Folie ist klasse. Und sie haben Profi-Tape. Allerdings komme ich nicht dazu, diese genialen Dinge näher zu betrachten, weil alle 15 Sekunden von irgendwoher jemand nach mir brüllt. "Was ist damit? Können wir das einpacken? Können wir das zerlegen? Wir können's grad abräumen, kein Problem."
Ich ändere meine Taktik zum gefühlt dreihundertsten Mal an diesem Tag und beschränke mich nurmehr darauf, meine Musikinstrumente in Sicherheit zu bringen. Ich frage Kosh, ob unter den Umständen die Matratzen doch mit sollen, die wir ursprünglich aus Transportkapazitätsgründen hierlassen wollten. Ich bekomme ein ok, ich gebe das ok weiter, und kaum habe ich meinen Hintern und dieses Notebook von den Matratzen gehoben, da sind die auch schon weg. Verstörend!
Einer hat ein Ivar-Skelett (Seitenteile und Stützkreuz) in der Hand, ich hätte doch da eben einen Akkuschrauber... sie hätten zwar auch einen, aber ich hätte meinen ja in der Hand... ja, hat auch das richtige Bit drauf, bitteschön. Die Einzelteile verschwinden. Ich habe den Akkuschrauber wieder und renne im Kreis.
Was mit den Regalen im Keller sei, die könnten sie gerade einfach so... make it so. Die anderen beiden sind verschraubt, aber ich hatte den Akkuschrauber so aufgerüstet, daß er auch diese Schrauben... 11 mm Steckschlüssel. Rrrr. Ich ziehe mich in den Nachbarkeller zurück und setze mich auf einen dort vorübergehend abgestellten Schrott-PC von mir und ziehe die Füße ein. Da sie im Moment zu dritt hier unten sind, dreht einer die Schrauben auf, und die anderen zwei nehmen die Bretter ab. Irgendwie sieht das aus, als hätte jemand den Fast-FWD-Knopf gedrückt. Jetzt steht nur noch das Regalteil mit dem Stützkreuz drin, und das nehmen sie kurzerhand komplett mit. Weg ist es.
Ich drücke ihnen zwei rumstehende Packs Cola in die Hand, sind die auch weg. Nixzudanken. Ist ja außerdem nicht euer Problem, wenn ich anscheinend keine rechte Vorstellung davon habe, was nun wirklich in den Lkw paßt, sonst hätte ich mich anders vorbereitet. Und überhaupt. Euer Chef hatte mich gefragt, ob ihr auch das Abschlagen übernehmen solltet oder ob ich das machen wollte, und ich sagte ihm, ich mach's. Dunnerlattich, wenn ich Dinge zerlege, dann SIND die auch zerlegt! Ich bin Physiker!
Ja er hätte wohl die Dinger nur aufgebaut gesehen... und außerdem hätte es geheißen, sie hätten in Frankfurt noch zwei Schränke abholen sollen (wer immer dieses Wort aufgebracht hat... ich war's nicht), aber das sei ja auch nur ein Stapel Bretter gewesen.
Leutää! Ich HABE fast nur IVAR-Regale. Das IST nur ein Stapel Bretter, immer!
Jetzt werfe ich doch mal kurz einen Blick in diesen Lkw. Tatsache, da ist noch viel Platz drin.
Uah? Can I panic now?
Aber gerade höre ich Gerüchte, daß sie ohnehin erst abends fahren wollten und zwischenzeitlich in ihre Basis in Frankfurt zurückkehren. Naja, sie sind die Nachbarn meiner Eltern. Ich frage also, ob sie unter den Umständen nicht einfach von da noch Kartons mitnehmen könnten, wir hätten halt schon einige Dinge fertig gepackt da eingelagert, weil wir dachten...
... ja kein Problem.
Uff. Ich meine, peinlich ist das so oder so, da kommts jetzt darauf auch nicht mehr an. Ich werde hier dann gerade noch die zwei wichtigsten Kisten fertigmachen (die mit den Schrauben und dem Werkzeug), dazu brauche ich mal 5 Minuten RUHE und nicht diese Leute um mich rum. Und dann werde ich nachfahren.
Trotzdem wollen sie noch gerade die Adresse und sämtliche Telefonnummern - falls sie mit Einladen schon fertig sind, bevor ich in Frankfurt ankomme. Da ich ihnen mittlerweile alles zutraue, kriegen sie das Gewünschte und den Stadtplan in die Hand gedrückt - eigentlich hatte ich die Seite extra für sie kopiert, aber was weiß denn ich, wo in DEM Chaos jetzt die Kopie hin ist. Sollen sie den Plan halt mitnehmen, Platz ist ja.
Bevor ich noch die Treppen wieder oben bin, wird unten der Motor angeworfen, und der Lkw rauscht ab. Eigentlich würde ich ja jetzt mich gern mal ein, zwei Minuten ruhig auf den Hintern setzen, aber die Uhr tickt ja. Das kommt davon, wenn man einmal mit Profis arbeitet!
Dienstag, 15. Januar 2008
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4 Kommentare:
Whoa. Da ist ja mal alles richtig gelaufen, super! Wenn ich umziehe, will ich auch sowas Tolles.
Das ist wirklich Wahnsinn, auch wenn mir diese geschäftigen, übermotivierten Menschen Angst gemacht hätten. Woah...einfach nur genial.
>Das kommt davon, wenn man einmal mit Profis arbeitet!
Bwahaa! :roflol:
Ich hab auf die Stelle gewartet, an der sie sagen "Sollen wir die Garage auch noch mitnehmen? Und das Haus? Platz ist ja."
Das scheint ja echt ständig nur plopp gemacht zu haben und weg war das Zeuch. *gg*
Meine letzten beiden Umzüge hab ich auch mit solchen Leuten gemacht, aber ich hab ja auch nicht ganz so viele Dinge.
> Ich hab auf die Stelle gewartet, an der sie sagen "Sollen wir die Garage auch noch mitnehmen? Und das Haus? Platz ist ja."
Es gab einen Moment, wo sie die herumstehende Tür zu Koshs Zimmer im Visier hatten, die ich ausgehängt hatte, weil die immer zufällt.
Nein, danke, die Tür bleibt bitte hier. :ugly:
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