Werkzeug. Kosh wird den Akkuschrauber brauchen. Und das Ikea-Rundum-Sorglos-Paket, was so ziemlich alles drin hat, was man für den Zusammenbau von Ikea-Möbeln gebrauchen könnte. Und die Schrauben. Irgendwann hab ich nicht mal mehr die Tüten beschriftet, sondern einfach nur noch Schrauben irgendwie eingetütet. Und dann noch die gefühlte Million Ivar-Bolzen. So. Denken. Fehlt noch was?
Netzteil. Das Netzteil vom Akkuschrauber. Das Ding hat zwar eine relativ lange Laufzeit, aber trotzdem, das muß mit. Das lag neben dem Futon. Der weg ist. Vor dem CD-Ständer. Der auch weg ist. In einem Karton. Waah?
Ich greife zum Telefon und rufe meine Eltern an, renne dann wie der letzte Manager mit dem Telefon in einer Hand und mit der anderen Hand hektisch in Dingen wühlend durch die Wohnung. Hallo, äh Sache ist so und so, die kommen jetzt, und die sollen zuerst die Kartons von da und da mitnehmen *raschel* *klapper*. Das reicht aber auch nicht lange *klong*, so viele sind das nicht, und bei den anderen weiß ich die Aufschrift nicht aus*rassel*wendig, bis dahin bin ich dann aber *bonk* hoffentlich da, wenn endlich das letzte Teil und Tschüs und bis gleich danke *klick*.
Ich schreibe Kosh ein Post "Wo haben diese Bestien das Netzteil vom Akkuschrauber hingetan???". Ich meine mich zu erinnern, daß der Karton offen war und auch nicht so, daß man ihn direkt hätte zumachen und wegnehmen können. Ich meine mich zu erinnern, daß ich den kurzerhand irgendwo in die Gegend gefeuert hätte, als die das CD-Ding mitnehmen wollten. Und dabei hat sich der Karton in seine Bestandteile zerlegt und sämtlichen Inhalt irgendwo auf dem Gelände verteilt. Genau, das war's. Ich durchsuche das Gelände. USB-Kabel. Nein. Netzteil vom Handy. Nein!! Verdammter Geekhaushalt, zu viele Kabel hier! Ah, da, das könnte... yep, das Netzteil. Yess.
Rein in Kiste. Kiste zu. Rote Streifen auf Kiste, wichtige Kiste. Oh, da ist noch ein Brett, das hatte ich unter dem ganzen Haufen Dinge übersehen, der da mittlerweile drauf gelandet ist. Brett untern Arm, nichts wie weg.
Auf der Autobahn fahre ich zu, was gerade halt so erlaubt ist und was das Auto hergibt. Ich halte Ausschau nach dem Lkw, wundere mich aber nicht im geringsten, daß ich ihn nicht sehe. Ich biege in unsere Straße ein, da steht er kunstvoll in eine eigentlich viel zu kurze Parklücke eingefädelt vorm Haus. Diese Leute machen mich wahnsinnig!!
Ich fahre mit Karacho auf den Hof, schmeiße die Autotür zu und sehe mich gehetzt um, wo die denn nun sind. Meine Eltern kommen mir entgegen und fangen an zu lachen, als sie den Ausdruck auf meinem Gesicht sehen.
Ich spreche es aus, was die vermutlich denken:
"Sie... sie haben alle Rucksäcke getragen und ... und abwechselnd auch noch ihre Kameraden... und gelaufen sind sie und... und ich kann nicht mehr!! BUHUUUUUUUUUUU"
Mein Vater grinst und meint, sie seien oben. Die Treppe komme ich noch nicht mal mehr rauf, weil die eine Viererkette gebildet haben und die Kartons einfach daran entlang runterreichen. Und natürlich ertönt in dem Moment von oben der gefürchtete Schlachtruf: "Und was noch?"
Verdammt, ich muß irgendwie Zeit gewinnen! In der Küche steht ein ganzer Stapel Kartons, den ich definitiv erst mal nach Frankfurt haben und sortieren wollte. Ich sage ihnen, die können sie einladen. Sie amüsieren sich königlich über die Aufschrift "Gedöns".
Was also gebe ich denen... Koshs MA-Klamotten, da. Die Rüstung mag ich ihnen nicht geben, was also sonst. Ordner. Kosh meinte, Ordner. Die stehen aber einfach so im Regal. Mein Vater fragt, ob er was helfen könnte. Ja. In meinem Auto. Kisten. Holen. Jetzt.
"Und was noch?"
Da steht noch ein Stapel Moppe-Kommoden, deren Inhalt ich eigentlich sortie... "Die da, nehmen Sie die. Sind aber voll, soll ich die...?" Nö lassen Sie mal, und der nimmt auch noch zwei auf einmal, und der nächste auch, und schon wieder ist der Stapel weg.
Da kommt endlich mein Vater mit den Kisten und murkst mit einem Küchenmesser an den Plastikbändern drumrum rum. Für sowas habe ich meine Dienstwaffe dabei, Mann, ich bin Physiker *krk* weg das Band, Karton her. Und da ist ja schon wieder einer von denen! "Wenn Sie mir sagen, welche Ordner, dann kann ich das... "
Himmelnochmal, zuerst die mit der Schrift von meinem Mann drauf, dammit, "ich bin das aber nicht gewohnt, anderen Leuten bei der Arbeit zuzugucken, nu lassen Sie mich mal das machen, Se-kun-de."
Er sei das aber auch nicht gewohnt, sagt er. Meine Eltern, die danebenstehen, verwickeln ihn in ein Gespräch. Ich schicke ein Stoßgebet an St. Eine Ablenkung.
Ordner, Ordner, kurzer Gewichtstest, geht, zu, weg, nächste Kiste. Wenn die zu schwer ist, kann da auch ein Ordner... nögehtschon, weg ist die Kiste. Ich kann so nicht!! Mittlerweile sind schon zwei wieder da, wo der eine gerade weg ist. Ordner. Meine, Koshs, egal, alles durcheinander. Kiste. Knall. Zu. Nächste.
So, nu is aber gut - an die anderen Ordner komm ich ohne Hocker erst mal nicht dran, nu reichts. Nächstes Mal weiß ich, was kommt, und dann werde ich mich besser vorbereiten.
Ich gehe noch kurz runter mit auf die Straße... meine beiden wichtigen Kisten und das Gedöns, was noch drauflag, sind auch weg, gut... und der Lkw sieht jetzt wenigstens nicht mehr so leer aus. Klar ginge noch was rein, aber ich mag jetzt auch nicht mehr. Dann gute Fahrt, und auch gute Rückfahrt, und Verabschiedung, und weg sind sie. Rüber in ihre Basis.
Ich stehe auf dem Hof wie ein begossener Pudel und frage mich, nach welcher Seite ich jetzt umfallen soll. Meine Mutter fragt mich, ob ich einen Teller Suppe haben möchte. Gute Idee. Und nen Kaffee.
Treppe rauf, setzen. Mein Vater macht noch irgendeine Bemerkung über die Nonchalance, mit der dieser Lkw da unten in der Parklücke steht... stand. Weg ist er. Langsam habe ich wirklich das Gefühl, diese Leute spielen mit mir Hase und Igel.
Mir wird ein Teller Suppe vor die Nase gestellt und eine Tasse Kaffee, und ich überlege ernsthaft, ob ich jetzt mit dem Gesicht voran einfach mit dem Kopf in die Suppe knalle. Andererseits habe ich nicht gefrühstückt, und es ist irgendwas so gegen halb eins.
Ich nehme also den Löffel in die Hand wie ein Kleinkind und löffele meine Suppe, während meine Eltern Kommentare über meinen Zustand abgeben. Ja, ja. Löffel, löffel. Die Suppe tut gut. Der Kaffee auch. Ich will Kosh anrufen und ihm sagen, daß sie weg sind und erst heute abend losfahren. Nach drei Fehlversuchen, mein Handy richtig zu bedienen, gebe ich's auf.
Da mein Chef heute eingeladen hat, sollte ich eigentlich um 14:30 im Seminar sein. Da muß ich ja nichts tun außer anwesend sein, also breche ich langsam auf und fahre direkt ins Institut. Natürlich habe ich meine Badge nicht dabei und muß mich eintragen. Ich versuche die Spalten zu verstehen und werde höflich drauf hingewiesen, daß in diese Spalte der Ansprechpartner gehört und nicht die Unterschrift. Die Spalten sind fein säuberlich beschriftet; wer lesen kann... der Pförtner, der mich ohnehin kenne, diktiert mir, was ich wohin schreiben soll, und schaut mich mitleidig an. Ich sage, ich bin nur da, weil mein Chef zum Seminar geladen hat, sonst wäre ich auch nicht hier.
Ich nehme den Aufzug zum Seminarraum und genehmige mir einen Kaffee. Der Klon von Canard kommt als erster meiner Kollegen und teilt mir mit, daß er meine Rohlinge erst morgen mitbringen wird, da er die mir zugedachten kurzerhand an einen Kollegen verkauft hat, weil er nicht wußte, daß ich heute da bin. Ich sage ihm, ich bin auch nicht da. Ich bin nur anwesend.
Kommt der nächste "ja ja, das haben wir gern *g*, keinen Kuchen backen (ursprünglich sollte der Lkw ja mal montags kommen, dann wollte ich dienstags Kuchen mitbringen...), aber dann herkommen und Kekse essen!"
Ich erkläre ihm, daß ich mir diesen Keks verdient habe und wohin er seine Brassica pflanzen kann.
Kaum hält mein Chef seine Einführung, klingelt das Handy in meiner Tasche. Natürlich steht's auf maximale Lautstärke. Immerhin habe ich eine Fleecejacke an, kann es also relativ gut dämpfen... und bete zu St. Haltdieklappe, daß ich es schaffe, das Ding abzustellen, ohne es rausnehmen zu müssen. Die Taktik, einfach wild auf irgendwelche Knöpfe zu drücken, scheint zu funktionieren. Es schweigt. Ich nehme es raus und schaue drauf, und es gibt mir die Möglichkeit, den Anruf abzuweisen. Genau das will ich. Auch wenn es Kosh ist. Der könnte eigentlich auch wissen, wann Seminar ist, andererseits könnte ich auch wissen, daß man Handys vor dem Seminar abstellt. Immerhin, wenn mein Chef mich bisher übersehen hat, dann weiß er zumindest jetzt, daß ich da bin.
Der Vortragende ist ein niedlicher Schwede, der Vortrag ist auch gut, und ich gebe mir redlich Mühe, nicht mit dem Kopf auf die Tischplatte zu knallen, sondern tatsächlich aufzupassen. Nicht nur, weil mein Chef alle paar Minuten in die Runde schaut, sondern auch, weil es für den Vortrag eigentlich unangemessen wäre, darin einzuschlafen, und mich außerdem das Thema interessiert. Es gelingt mir, und ich bin stolz auf mich. Allerdings kochen die auch stärkeren Kaffee als meine Eltern.
Nach dem Vortrag steht noch ein Arzttermin an, den ich nicht hatte verlegen können. Ich murmele schon auf der Bundesstraße vor mich hin, nicht wie üblich aus Gewohnheitsgründen in die falsche Richtung auf die Autobahn zu fahren. Basel. Basel. Du willst nach Basel. Nicht nach Frankfurt. Basel, Basel, Basel. Es funktioniert. Ich bin stolz auf mich. Diesmal hätte die Zeit für den Umweg über Langen, wo die nächste Wendestelle ist, nicht gereicht.
Ich finde einen Parkplatz, weil gerade einer wegfährt, und gehe zum Arzt. Die Ärztin schaut mich seltsam an. Ich kann das erklären.
Und jetzt will ich schlafen. Sie hält das für eine gute Idee. Ich auch. Unten in der Apotheke fällt mir auf, daß ich die Parkscheibe vergessen habe rauszulegen. Wenn ich jetzt einen Zettel dranhängen habe, dann reg ich mich auf, denn ich hab ausnahmsweise ja tatsächlich nicht falsch geparkt. Es hat aber wohl keiner gemerkt.
Ich hatte vorher drüber nachgedacht, heute abend in die Sauna zu gehen, aber ich mag keinen Meter mehr fahren. Die Treppe zur Wohnung rauf... nein, erst noch in den Keller und die Rechner wieder aus dem Nachbarkeller holen. Dann rauf. Wenigstens sind die Bettdecken noch da, die habe ich auch mit Zähnen und Klauen verteidigt.
Ich lege mich also auf eine Decke auf den Fußboden und die andere Decke über mich. Hole den Rechner zu mir her und melde mich bei Kosh zurück. Wo die Maus hin ist, würde ich auch gern wissen. Ich würde ja anrufen. Wenn ich das Telefon finde.
Das Schlaue am Verlegen von Telefonen und Handys ist ja, daß man sie wenigstens anrufen kann. So fand sich das Telefon. Ich möchte bitte eine anrufbare Maus.
Kosh traktiert nebenher seinen Rechner mit Rechnungen und schreibt mir folgendes Post:
[18:12:52] Kosh Naranek I. says: btw: fährstt dduu danann nchheerr z ieeeln, oddeer r haastt udu ienne lftmaaz?
Ich sehe zweimal hin. Nein, das steht da wirklich, es liegt nicht an mir.
Ich versichere ihm, ich werde heute abend ganz sicher nirgends mehr hinfahren, und ja, ich habe hier eine Luftmatratze, die ich extra für diesen Fall hierbehalten habe (mit Zähnen und Krallen verteidigt, as it is), aber daß ich nicht weiß, ob ich mich noch aufraffen werde, die aufzupumpen, oder ob ich nicht einfach auf dem Fußboden liegenbleibe, wo ich gerade liege.
Kosh entschuldigt sich, er hätte den Rechner so belastet, daß der nicht mehr gescheit reagiert hätte. Vielleicht redet der Rechner ja aber auch einfach nur so, wie er sich fühlt, könnte ich zumindest verstehen.
Dn chgeh eeeetz ämlihc acuuuh nchhhhhts mmrh tunn außßr herrrrummliiiegn.
G'nancht forum.
Zz.
So kommt es dazu, daß Menschen mit einem Notebook und ein paar mit Faustkeilen und Bärenkrallen verteidigten Kissen in einer Ecke eines Zimmers, das aussieht, als hätte eine Herde Wildschweine darin Party gemacht, auf dem Fußboden liegen.
Menschen wie du und ich, die nur einmal mit Profis arbeiten wollten.
1 Kommentar:
St. Eine Ablenkung und St. Haltdieklappe!
Sehr geil! Und das Schlusswort! Bwah!
Herrlich!
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