So, einmal Graz und zurück, mit mitfahrerbedingten Umwegen und sturmbedingten Umwegen macht das dann so etwa 1600 km. Grah.
Von der Unfähigkeit der Würzburger und der Linzer, vernünftige Schilder aufzustellen, will ich mal gar nicht erst anfangen.
Immerhin bin ich an diesem Wochenende wieder um einiges schlauer geworden, was die Landessprache betrifft. Vorgewarnt wurden wir ja schon bei der Wohnungssuche, als Kosh aus einem Bäckerladen kam und meinte "das hätte ich mir ja auch denken können, daß hier kein Mensch das Wort 'Brötchen' versteht."
Ich machte seinerzeit ein blödes Gesicht, hielt ein Brötchen hoch und kam mir dumm vor, als ich fragte: "Und was ist das hier dann?" Eine Semmel. Aha.
Freitagmittag saßen wir beim Mittagessen, und ich wollte noch einen Kaffee. Unter der entsprechenden Rubrik in der Speisekarte fand sich 'kleiner Brauner', 'großer Brauner' und 'Häferlkaffee'. Ah ja. WTFbö?
Nach einer Diskussion mit Kosh, was unter Häferlkaffee zu verstehen sei, gab ich's auf und fragte unsere offensichtlich einheimische Tischnachbarin. Ach, da täten wir ja ganz die Falsche fragen, sie tät keinen Kaffee trinken und wüßte auch nicht, was das sei. Da ich nun aber schon einmal dabei war, gab ich zu, mir wäre schon geholfen, wenn ich wüßte, was ein Häferl sei. Prompt schaute sie mich sehr, sehr seltsam an und meinte "So ein Becher halt". Offenbar hatte sie den Eindruck, ich wollte sie veralbern. Ich löste das Problem dann auf die direkte Art, indem ich es einfach bestellte, und es sich in der Tat als große Tasse Kaffee entpuppte.
Samstagmorgen waren wir wieder mal beim Bäcker, und die Auswahl bei den Croissantfüllungsn war "Marille" oder "Ribisel". Daß Marille Aprikose ist, wußte ich, aber mit Ribisel konnte ich nun so gar nichts anfangen, außer daß das vermutlich auch irgendein Fruchtkram ist. Auch bei "Topfen" wollte sich mir die Bedeutung nicht so recht erschließen. Ich beschloß also, es bei anderem Gebäck zu belassen und das später herauszufinden. Nach den Blicken der Tischnachbarin am Freitag wollte ich nicht auch noch den Bäcker nach unbekannten Vokabeln fragen! Schließlich will ich da öfter noch hingehen, und außerdem hatte ich mir ja schon die 'Semmel' zu merken.
Weiter ging es im Supermarkt. Ich fand eine Tüte mit grünen Bohnen im Tiefkühlfach, mit der rätselhaften Aufschrift 'Fisolen'. Na, wenigstens waren da bunte Bildchen drauf. Sehr hilfreich.
Dann kam Kosh mit einem Marmeladenglas angewandert, das die Aufschrift 'Weichsel' trug. Hm, die Weichsel ist ein Fluß in Polen, dachte ich. Offenbar handelte es sich beim Inhalt des Glases aber um Sauerkirschmarmelade. Aha.
In die nächste Falle tappte ich, als ich beim Saturn ahnungslos fragte, ob sie denn EC-Karte nehmen würden. Von Kosh wurde ich drauf hingewiesen, daß das Bankomatkarte heißt. Ah ja... äh, Multipass?
So langsam überlegte ich wirklich, ob ich mich nicht lieber als amerikanische Touristin ausgeben sollte. Es macht mir ja überhaupt nichts aus, in Island oder meinetwegen auch in Irland auf etwas zu zeigen und zu fragen "Wie heißt das??", aber in Österreich komme ich mir dabei irgendwie reichlich bescheuert vor. Ich weiß ja, daß ich da praktisch Ausländer bin, Preuße sozusagen, aber trotzdem. Man versteht die Sprache, und dann doch wieder nicht!
Mein Mitfahrer, der noch nie in Österreich gewesen war, erzählte mir dann auf der Rückfahrt, er habe auch schwer gelacht, daß in Graz überall an den Mülleimern ('Mistkübeln') groß die Telefonnummer fürs "Misttelefon" hing. Er mußte das natürlich unbedingt fotografieren, und zog sich prompt komische Blicke der Einwohner zu, warum denn die Touristen jetzt auch schon die Mülleimer fotografieren.
Ich muß auch immer noch grinsen, wenn ich in unserem Treppenhaus das Schild 'Mist' über dem Mülleimer sehe... eigentlich haben sie ja schon recht, ist ja alles Mist, aber trotzdem. Immerhin versteht die deutsche Wikipedia unter
Mist dasselbe wie ich... auf 'Mistkübel' liegt aber eine Weiterleitung zu 'Abfalleimer'.
Meine Rettung fand sich übrigens in einem Buchladen... dort lag an der Kasse (äh... Kassa, meine ich) ein unscheinbares Büchlein herum mit dem vielversprechenden Titel "Wörterbuch Österreichisch-Deutsch". Genau so etwas brauchte ich!
Mit Hilfe dieses kleinen nützlichen Helfers erwies sich der 'Topfen' dann als Quark, die "Weichsel" in der Tat als Sauerkirsche, der ominöse 'Schilcher' von der Speisekarte als Schillerwein, die 'Fisole' als grüne Bohne (aber warum??), das 'Häferl' tatsächlich als Tasse und der/die/das Ribisel als - Johannisbeere.
Heijeijei.
Naja, andererseits können die Hessen sich auch so verständigen, daß sie keiner mehr versteht, wenn sie wollen. ;)
Heute mittag kam dann mein Chef, frisch aus Japan zurück, und meinte, das sei da schon etwas schwierig, wenn die Speisekarte keine Bildchen enthielte und man eigentlich nicht wüßte, was man da durch Draufzeigen bestellt.
Lieber Chef, dafür mußt du nicht bis nach Japan fahren. Einmal über die Alpen reicht schon ;).
Montag, 28. Januar 2008
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6 Kommentare:
:o))))))
Wir können für solche Fälle ja auch einfach ein Notfalltelefon einrichten...
LG,
Claudia/AnaDunari/Ishkar
Teeheeehee. :D
So ähnlich müssen sich Amerikaner in GB fühlen. Eigentlich spricht man ja die selbe Sprache, uneigentlich aber dann doch nicht. :D
Vergiss nicht die Grammatik. Mit der haben es Ösis auch nicht so. Da wird der Fernseher eingeschalten und nicht eingeschaltet. ;-)
Bwah!
Das kommt mir sooo bekannt vor. Ribisel kenne ich auch nur dank El oder war es doch Hoppi und mit einer Freundin aus Salzburg stoße ich auch immer wieder an meine Grenzen.
"Äh...was heißt das gleich nochmal für uns Deutsche?"
:ugly:
Bwaaah! Einfach köstlich. Darf ich mal mit dir mitgehen und mir das live ansehen? :grin:
Ach ja, die Freuden der Exil-Deutschen in Österreich. Um das ganze nochmal ein bisschen auszuweiten, kannst du ja schonmal folgende Worte auswendig lernen:
Paradeiser
Erdäpfeln
Weckerl
Kohlsprossen
Karfiol
weißer/roter Spritzer
Obi/Cappy g'spritzt
Vogerlsalat
Wenn du irgendwann einmal auf Anhieb weißt, was das alles ist, bist du erfolgreich integriert *g*
lg
meisterdieb
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