Wie gesagt, Blogeinträge sind bei mir nicht unbedingt zeitlich koordiniert... neulich waren wir mit einem Teil der Grazer Forumsbevölkerung in der Gegend Gegend anschauen und wollten uns eigentlich im Buschenschank gemütlich hinsetzen (so weit die Theorie).
Die Chronologie des Tages hat Ishkar schon genauer gebloggt, als ich das überhaupt gekonnt hätte:
http://dieherumtreiberin.blogspot.com/2008/06/and-we-are-walking.html
So bleibt mir nur noch wenig hinzuzufügen. Für mich ging's damit los, daß ich eigentlich zum IKEA und zum Obi wollte, und von da aus dann zur Uni. Da ich aber mich etwas verdusselt hatte mit der Zeit und Graz aus mehr Ampeln besteht, als mir lieb ist, hatte ich mich unterwegs umentschlossen, direkt zur Uni zu fahren und den IKEA und den Obi bleiben zu lassen. Weise Entscheidung. Allerdings stand ich dann an der Uni eine Weile irgendwo rum, wo ich vermutlich nicht hätte rumstehen dürfen, und wurde leicht panisch, als selbst der sonst so pünktliche Kosh ein paar Minuten zu spät kam. Deswegen wollte ich dann eigentlich auch nur noch da weg, als die anderen kamen.
Was das Laufen betraf, hatte ich mich statt der Wandersandalen für die Stiefel entschieden, eine halbe Stunde hin und dann abends eine halbe Stunde zurück würde mit denen kein Problem sein. DAS war eine Fehlentscheidung, genau wie die, nichts zu trinken in den Rucksack zu packen. Aber man wollte ja in einer halben Stunde im Gasthaus sein, so war der Plan.
Einen weiteren dämlichen Fehler hatte ich allerdings auch noch gemacht - nicht bedacht, daß Österreich großteils aus Bergen besteht. Da mir bergauf grundsätzlich ziemlich schnell die Luft ausgeht seit Chemo und damit verbundenem Mistekram, war ich also die Bergaufstrecke lang effektiv ruhiggestellt, weil ich die Luft zum Laufen brauchte. Wenn man will, daß ich mal nichts rede, muß mich also nur bergauf scheuchen :ugly:.
Allerdings wurden wir im Zivilisationsbereich noch von Hühnern verfolgt. Die liefen da frei rum, und eins spazierte scheinbar unschuldig hinter uns auf den Weg und heftete sich erst mal an unsere Fersen. Als ich mich umdrehte, tat es, als wäre es rein zufällig da. Vermutlich hätte es ein Liedchen gepfiffen, wenn Hühner das könnten. Es gelang uns aber letztendlich, das Huhn abzuschütteln. Hah.
Die Strecke ist wirklich sehr 'Fellowship'-lastig - es gibt alles: Bauer Maggots Maisfelder, einen Hohlweg durch den Wald ("Get off the road! Quick!"), Felder und sogar Kamine, aus denen Rauch aufsteigt. Oben auf dem Berg kam auch meine Redefähigkeit zurück (ob zum Guten oder zum Schlechten...), und ich habe Evendia zugetextet mit einer hier im alten Blog dokumentierten Begebenheit aus der Reihe "Nervige Dinge in Auslandsschuljahren". Außerdem waren wir uns einig, die amerikanischen "Fast-Food"-Restaurants a la 'Sizzler' könnten auch mal die Expansion nach Europa schaffen. Wendy's und Taco Bell hätte ich dann auch gern.
Beim Buschenschank angekommen, sahen wir ein Schild: "Geöffnet von März bis 8. Juni". WTF? Vor allem, auf dem Weg stand noch ein Schild, daß ab März geöffnet sei, aber eben nicht, daß die Anfang Juni schon wieder zumachen. Gnarrrrrf.
Aus dem Nebenhaus kam eine Frau, und es ergab sich ein Dialog zwischen ihr und Evendia, wovon ich von der Seite der Frau beim besten Willen nur "Fußballplatz" verstanden hab, und ansonsten hatte es ungefähr diesen Effekt.
Hinterher wurden wir darüber aufgeklärt, daß die Frau wohl Oststeirisch gesprochen hätte. O-kay. Das ist dann wohl so ähnlich wie das Odenwälder Hessisch.
Ich verstand die Verzweiflung eines polnischen Studenten, der sich in Darmstadt mal bitterlich beklagte: "[schwerer polnischer Akzent] Ich verstehe diesen Professor M. überhaupt nicht! Kommt der aus Odenwald oder was?!"
Professor M. kam allerdings aus der Schweiz *g*, aber der Student hatte auch eine nicht ganz falsche Meinung über den Odenwald ;). Da muß selbst ich aufpassen, wenn ich die Leutchen verstehen will, obwohl Frankfurt grad mal etwa 50 km weiter nördlich liegt.
Wie dem auch sei, offenbar war es eine Wegbeschreibung zu einem zweiten Buschenschank. Fußballplatz *fuchtel* grünes Haus *fuchtel* da rauf, da runter, und dann daaaaa irgendwo *fuchtel*. Sehr präzise.
In Frankreich heißt so was "là-bas *handwedel*", was wir bei unseren 2 Austauschwochen auch als seeeeehr dehnbaren Begriff kennengelernt hatten. (LEO gibt dafür immerhin "da drüben, da unten, da hinten, dort, dorthin, dortzulande". Kommt hin.)
Also, Berg runter - wir Hobbits nahmen natürlich die Abkürzung durch die Weinreben -, Straße, Fußballplatz. Ja, und jetzt? Auf gut Glück gingen wir rechts und landeten in einem Dorf. Nix. Zurück zur Abzweigung. Mittlerweile sah ich ein, daß ich doch besser die Wandersandalen hätte anziehen sollen, vor allem mit so viel Asphaltlaufen hatte ich nicht gerechnet. Und naturlich die Wasserflasche nicht dabei. Gah.
Evendia telefoniert mit der Verwandtschaft. Ich überlege, ob ich nicht vielleicht irgendwen aus dem Forum anrufen sollte, doch mal Google anzuwerfen und im Web nachzusehen, wo wir hier überhaupt sind und wie die Gaststättenlage in der Nähe ist. *g*
An der Kreuzung stand ein bisher übersehenes Hinweisschild. Allerdings in die Gegenrichtung, weg von dem Fußballplatz. Bei der Wahl, ob wir nun der Frau oder dem Schild mehr glauben sollten, gewann das Schild.
Links auf dem Hang erspähte ich freilaufende Hühner. Offenbar hatte der gefiederte Spion im allerersten Dorf sich Verstärkung bestellt. Sie machten allerdings keine Anstalten, uns zu verfolgen.
Wir gingen dem Schild nach und hielten Ausschau nach Abzweigungen nach links. Keine, nur Auffahrten zu Wohnhäusern. Ein vermeintliches Schild an einer weiteren Straßenkreuzung stellt sich beim Näherkommen als Jesus am Kreuz heraus. Oben am Hang ist eine Koppel mit schwarzen Schafen oder ähnlichen Tieren.
Wir gehen links und erreichen ein weiteres Dorf. Keine Schilder, weit und breit nichts Buschenschankähnliches zu sehen. Eine Frau gießt ihre Blumen am Fenster. Wir schicken die Österreicher vor, die Frau zu fragen, wir würden ja ohnehin nichts verstehen.
Ergebnis: es gibt hier irgendwo tatsächlich noch eine/n Buschenschank (ich weiß immer noch nicht, welchen Artikel das nun eigentlich hat... laut Forum wäre es der oder das Buschenschank, Wikipedia schreibt 'die'. Wat denn nu?), aber 'irgendwo' ist mehr oder weniger "hinter den 7 Bergen, bei den 7 Zwergen". Vor allem die Berge schrecken uns ab, eigentlich sind wir schon über mehr von denen gelaufen, als wir wollten, und ohne eine Garantie, daß der andere dann aber wenigstens auf hat, beschließen wir den Rückzug.
Links von der Straße verschwindet ein plötzlich aufgetauchtes weißes Huhn langsam und gemächlich im Maisfeld. Ich fühle mich von Hühnern verfolgt!
Nächstes Mal nehme ich das GPS mit. Wie Kosh schon sagt, ist das ohne geeignetes Kartenmaterial der Gegend zwar auch nur ein Kompaß, aber besser als nichts. Es hätte uns zumindest zurück zum Auto bringen können, wenn ich es entsprechend programmiert hätte.
Wir finden aber auch so zurück, und ich bin froh, daß ich wenigstens die Wasserflaschen vom Einkauf noch im Auto habe. So langsam hab ich nämlich wirklich Durst.
Dann steuern wir die Riegersburg an, und unterwegs kommen wir auf die Fürsten von Liechtenstein zu sprechen, weil denen nämlich die Burg gehört. Ob sie allerdings mit Ulrich von Liechtenstein verwandt sind, weiß ich auch nicht ;) - ist allerdings wahrscheinlich, denn der kam auch aus der Steiermark. Und so viele Familien Liechtenstein wird's da nicht gegeben haben.
Allerdings hatte ich in einem Sagenbuch aus der Bibliothek gerade die Geschichte des Namens Liechtenstein gelesen (der Urahn hatte einen liechten Stein gefunden ;) ) - hier die Zusammenfassung:
Gerold von Liechtenstein
Es war einmal ein einziger Sohn, der hieß Gerold. Sein Vater kämpfte eines Tages gegen die Awaren und kam nicht wieder.
Dafür kamen aber nach ein paar Jahren die Awaren zum Haus von Gerold und seiner Mutter, und da er es nicht alleine gegen die Awaren verteidigen könnte, zündete er es an, denn die sollten's auch nicht haben. Das sahen die auch ein und zogen ab.
Nun hatte Gerold nur noch ein kaputtes Haus und kaputte Felder, er fing also an zu pflügen. Dabei fand er einen komisch aussehenden Stein. Er steckte den Stein ein, um ihn seiner Mutter zu zeigen, und als er ihn abends im Dunkeln ('s gab ja nix...) auf den Tisch legte, war plötzlich die ganze Bude erleuchtet, und Mutter und Sohn wunderten sich über den leuchtenden Stein.
Gerold wollte den Stein verkaufen, aber seine Mutter sagte, frag erst mal einen frommen Mann, was der dazu sagt. Der fromme Mann sagte, Gerold solle sein Schwert und den Stein nehmen und zu Kaiser Karl dem Großen nach Aachen ziehen, Hallo sagen und ihm den Stein schenken. Da Gerold den Kaiser Karl schon lange gern mal kennenlernen wollte und auch gern ein Krieger sein wie sein Vater, freute der sich, und nachdem ihm der fromme Mann versichert hatte, daß er sich um die Mutter kümmern würde, ritt Gerold los.
Zu der Zeit kämpfte der Kaiser gerade gegen die Sachsen, weswegen das mit dem Hallo-sagen etwas schwierig wurde. Gerold kämpfte also für den Kaiser erst mal gegen die Sachsen und stellte sich dabei gar nicht blöd an, alles andere hätte ja auch gewundert.
Eines Tages wurde das Lager des Kaisers von den Sachsen überfallen, und es sah gar nicht gut aus für die Leute des Kaisers. Als es dunkel wurde und die Sachsen immer noch am Gewinnen waren, nahm Gerold den leuchtenden Stein und befestigte ihn an seinem Helm. Das Ding leuchtete und funkelte, so daß die Sachsen dachten, da sei irgendein Zauber auf der Seite des Kaisers, und flüchteten. Die Truppen des Kaisers gewannen also, und Gerold war der strahlende *g* Held.
Nun war natürlich auch die gute Gelegenheit, dem Kaiser Hallo zu sagen, denn der wollte den Menschen mit dem leuchtenden Stein auch gern kennenlernen. Also sagte Gerold Hallo und legte den Stein Kaiser Karl zu Füßen. Der betrachtete das leuchtende Dings und meinte schließlich: Den Stein nehme ich gern als Geschenk, und zum Dank für deine Hilfe mache ich dich zum Ritter und Edlen meines Reiches. Dein Haus soll den Namen 'Liechtenstein' führen.
Gerold freute sich natürlich und ging wieder in die östliche Steiermark zurück, wo Kaiser Karl ihm Land geschenkt hatte; bei Judenburg baute er die Feste Liechtenstein und wurde der erste der Liechtensteiner.
Ob aber seine Mutter noch gelebt hat und wie's der ging, als Gerold zurückkam, das steht da wieder nicht. Deh.
Montag, 23. Juni 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
4 Kommentare:
Aaaaber, dero von Liechtenstein, ein Nachkomme von Gerold - nämlich der Ulrich - diente nicht nur als Namensvorlage für "A knight's tale", sondern war auch großer Ritter und Schriftsteller, schrieb die erste deutsche Pseudoautobiographie. Und das zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte mit einem Ich-Erzähler. Und wenn man ihm glauben darf, war er ein ganz schöner Held. Aber selbst historisch gesehen - angesehene und hochstehende Persönlichkeit der Steiermark, im engen Kontakt mit dem Herrscherhaus. Vor allem mit Friedrich dem Streitbaren. Jawollja.
Hat also was genützt, der lichte Stein vom Gerold! Und die Mutter ist bestimmt mit dem Geistlichen durchgebrannt.
Lob und Preis!
Ja, das war ein langer und beschwerlicher Spaziergang. Kommt so garantiert nicht mehr vor, meiner Mom vertraue ich nie mehr wieder wenn's um Buschenschänke geht. :P Es heißt übrigens "der" Buschenschank in der Einzahl. ;)
Äh ja, und das nächste Mal solltet ihr mich einfach zurückhalten, wenn ich in meinem "Normaltempo" zu laufen anfange. Wenn nötig mit Gewalt. :durchgeknallt: Ich bin langsames Gehen nicht gewöhnt. :ugly:
Wobei "der" Buschenschank steirisch ist, Milui im Norden kennt das schon wieder ganz anders, wenn ich mich richtig erinnere.
Ich kann im übrigen auch nicht wirklich langsam gehen...
Ich kenn's als Südniederösterreicherin allerdings auch unter "der" Buschenschank. "Die" Schank ist wohl grammatisch richtig, aber wahrscheinlich hat irgendwer mal analog zu "der Buschen" einfach auch "der Buschenschank" gesagt, das hat allen gefallen und schon war die Geschlechtsumwandlung vollzogen. :ugly:
@ liechten Stein: Aaaw. ... Aus unerfindlichen Gründen hab ich jetzt Lust, irgendwas Mittelhochdeutsches zu lesen.
Kommentar veröffentlichen